Ausgerechnet der Osterhase ist meistens gar kein Hase. Die niedliche, rundliche Figur aus Schokolade, die jedes Frühjahr in den Regalen steht, bildet fast immer ein Wildkaninchen ab — kleiner, gedrungener, mit kürzeren Ohren —, nicht den langbeinigen Feldhasen, den sie eigentlich meinen soll. Und genau das ist das Problem, sobald du selbst ein Langohr vor der Linse hast: Die beiden werden ständig verwechselt, dabei sind es zwei grundverschiedene Tiere aus zwei verschiedenen Gattungen, die sich nicht einmal miteinander kreuzen können — die Chromosomenzahl passt nicht zusammen.
Die gute Nachricht: Wenn du weißt, worauf du achten musst, ist die Unterscheidung nicht schwer. Der **Feldhase (Lepus europaeus) ist deutlich größer und schwerer, hat auffällig lange Löffel mit schwarzen Spitzen, sitzt einzelgängerisch in einer flachen Erdmulde auf freiem Feld und bringt behaarte, sehende Junge zur Welt. Das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)** ist kleiner und rundlicher, hat kurze, einfarbige Ohren, lebt gesellig in selbstgegrabenen unterirdischen Bauen und setzt nackte, blinde Junge in eine geschützte Röhre. Wer diese fünf, sechs Merkmale im Kopf hat, ordnet praktisch jedes Bild richtig zu.
Dieser Beitrag geht die Unterschiede der Reihe nach durch — Größe, Ohren, Augen, Lauf, Nachwuchs, Lebensweise —, erklärt die spektakuläre Rammelzeit im Spätwinter (die beste Zeit, um Hasen überhaupt zu beobachten) und den kuriosen Fortpflanzungstrick, mit dem die Häsin ihren Bestand aufstockt. Und er zeigt, wie du die beiden auf nächtlichen Wildkamera-Aufnahmen auseinanderhältst, wo Farben fehlen und nur Silhouette, Größe und Verhalten übrig bleiben.
Größe und Statur: der erste Blick entscheidet oft schon
Wenn ein Langohr weit genug weg sitzt, dass du keine Details erkennst, ist die Größe fast immer das erste, was dir die Art verrät. Und da liegen Welten dazwischen. Der Feldhase bringt je nach Quelle rund 2,5 bis 6 kg auf die Waage, im typischen Rahmen etwa 3 bis 5 kg, und wird von Kopf bis Rumpf 50 bis 70 cm lang. Das Wildkaninchen wiegt dagegen nur 1,3 bis 2,5 kg bei einer Kopf-Rumpf-Länge von 35 bis 45 cm. Das Landesforsten Rheinland-Pfalz bringt es auf die einfachste Formel: Der Hase wiegt „mehr als das Doppelte" eines Wildkaninchens.
Aber es ist nicht nur das Gewicht, es ist die ganze Statur. Der Feldhase ist langgestreckt und stromlinienförmig, mit sehr langen Hinterläufen, die ihn hochbeinig und fast sportlich wirken lassen — kein Zufall bei einem Tier, das im offenen Gelände dem Fuchs davonrennen muss. Das Kaninchen dagegen ist gedrungen und rundlich, sein Körper wirkt kompakter, die Beine sind deutlich kürzer. Diese kürzeren Läufe machen das Kaninchen zwar langsamer, aber wendiger als den Hasen — praktisch, wenn der Fluchtweg nur ein paar Meter bis zum rettenden Bau beträgt.
Der Feldhase wiegt mehr als das Doppelte eines Kaninchens — allein die Größe ordnet die meisten Sichtungen schon richtig ein.
Ein kleiner Vorbehalt zu den Zahlen: Die Gewichtsangaben schwanken zwischen den Quellen erheblich. Das Wildtierportal Bayern nennt für den Feldhasen eine sehr weite Spanne von 2,5 bis 7,5 kg, die vermutlich vom Jungtier bis zum kapitalen Althasen alles einschließt; die meisten Steckbriefe geben für ausgewachsene Tiere 3 bis 5 kg an. Für die Bestimmung im Feld ist die genaue Zahl ohnehin zweitrangig — der Größenunterschied zwischen den beiden Arten ist so deutlich, dass er auch ohne Waage ins Auge springt.
Die Löffel: das sicherste Einzelmerkmal
Wenn du dir nur ein einziges Merkmal merken willst, dann die Ohren — in der Jägersprache „Löffel". Sie sind beim Feldhasen der auffälligste Körperteil und beim Kaninchen deutlich unscheinbarer.
Beim Feldhasen werden die Löffel 8,5 bis 13 cm lang und sind damit länger als der Kopf. Und sie tragen ein Detail, das aus der Distanz oft noch zu erkennen ist, wenn sonst nichts mehr hilft: schwarz umrandete Spitzen. Das Landesforsten Rheinland-Pfalz beschreibt sie als „länger als der Kopf und oben schwarz gefärbt". Diese dunklen Ohrspitzen sind beim Kaninchen schlicht nicht vorhanden.
Beim Wildkaninchen messen die Löffel nur 6 bis 8 cm, sind also kürzer als der Kopf, und sie sind einfarbig — „ein wenig kürzer als der Kopf und wie das Fell graubraun gefärbt", so das Landesforsten. Das lässt das Gesicht des Kaninchens runder und gedrungener wirken; die Deutsche Wildtier Stiftung bringt es so auf den Punkt: „Kaninchen haben kürzere Ohren, wodurch ihr 'Gesicht' runder und gedrungener wirkt".
Merk dir also die kurze Faustregel: Löffel länger als der Kopf und mit schwarzer Spitze = Feldhase. Löffel kürzer als der Kopf und einfarbig = Wildkaninchen. Das allein trägt die allermeisten Bestimmungen.

Augen, Fell und Schwanz: die feineren Merkmale
Kommst du näher heran — oder hast ein scharfes Tagesbild —, helfen drei weitere Details.
Das erste sind die Augen. Der Feldhase hat eine auffällig gelbe bis bernsteinfarbene Iris mit schwarzer Pupille. Diese großen, seitlich am Kopf sitzenden „Seher" geben ihm eine Rundumsicht von nahezu 360 Grad — der Hase ist zwar kurzsichtig, nimmt aber jede Bewegung im weiten Umkreis wahr. Das Wildkaninchen hat dagegen schlicht dunkelbraune Augen. (Ein Hinweis für Genaue: In einem Vergleich mit dem alpinen Schneehasen — einer dritten, hier nicht behandelten Art — taucht gelegentlich die umgekehrte Zuordnung auf. Für das Paar Feldhase gegen Wildkaninchen ist die Sache aber eindeutig: amber beim Hasen, dunkelbraun beim Kaninchen, so übereinstimmend in allen einschlägigen Steckbriefen.)
Das zweite ist das Fell. Beim Feldhasen ist die Oberseite erdbraun bis rötlich-braun — im Sommer wärmer, im Winter oft heller und gräulicher —, die Bauchseite weiß. Beim Kaninchen ist das Fell insgesamt eher graubraun, mit einer flauschigeren, braun bis rostroten Partie im Nacken, und ebenfalls weiß am Bauch. Der Farbunterschied ist subtiler als Größe und Ohren, aber bei gutem Licht erkennbar: Der NABU fasst zusammen, „während Kaninchen eher grau gefärbt sind, ist das Fell des Feldhasen braun bis rotbraun".
Das dritte ist der Schwanz, jägersprachlich die „Blume". Beim Kaninchen ist der Stummelschwanz 4 bis 7 cm lang, oben schwarz und unten weiß — beim aufgeschreckten Weghoppeln blitzt oft die weiße Unterseite auf. Beim Feldhasen ist die Blume oben schwarz, unten weiß und wirkt am gestreckten Körper weniger „pomponartig".
Amberfarbene Augen und braunes Fell gehören zum Hasen; dunkle Augen und graubraunes Fell zum Kaninchen.
Lauf und Gangart: hoppeln, sprinten, Haken schlagen
Wie sich ein Langohr bewegt, verrät ebenfalls, wen du vor dir hast — und das ist gerade auf Video oft leichter zu sehen als ein Fellton.
Der Feldhase ist ein Sprinter. Seine extrem langen Hinterläufe machen ihn auf der Flucht zu einem der schnellsten heimischen Säugetiere: Er erreicht Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h, springt drei Meter weit und zwei Meter hoch und ist berühmt für seine abrupten Richtungswechsel, das Haken schlagen, mit dem er seine Verfolger ins Leere laufen lässt. Diese Kombination aus Tempo und Wendigkeit ist seine Lebensversicherung im deckungsarmen Offenland, wo er sich nicht verkriechen kann.
Das Wildkaninchen braucht kein solches Tempo, weil sein Fluchtweg fast immer kurz ist: hinein in den nächsten Bau. Es ist langsamer, dafür wendiger, und bei Gefahr trommelt es mit den Hinterläufen auf den Boden, um die Kolonie zu warnen, bevor alles im Bau verschwindet.
Selbst die Spuren im Boden trennen die beiden sauber. Die Broschüre der Wildforschungsstelle Baden-Württemberg gibt die Maße an: Die Hinterfußspur des Feldhasen misst rund 6 × 3,5 cm, die des Wildkaninchens nur etwa 4 × 2,5 cm. Beide setzen beim Hoppeln die großen Hinterfüße vor die kleineren Vorderfüße, häufig zeichnen sich die Krallen ab. Und es gibt einen verräterischen Zusatzhinweis: Findest du viele Trittsiegel dicht beieinander, deutet das aufs gesellige Kaninchen hin, denn die treten in Gruppen auf; ein einzelner Fährtenverlauf spricht eher für den einzelgängerischen Hasen. Wie sich Trittsiegel generell lesen lassen, steht in einer eigenen Anleitung. Trittsiegel im Schlamm und Schnee: Säugetierspuren an der Wildkamera bestimmen
Bau oder Sasse: der klarste Unterschied im Verhalten
Wenn ein einziges Kriterium die beiden Arten definiert, dann ist es das hier: Das Kaninchen gräbt, der Hase nicht.
Das Wildkaninchen ist ein „ausgesprochenes Rudeltier", das in teils sehr großen Kolonien zusammenlebt. Gemeinsam legt es weitläufige, unterirdische Baue an — Gänge, die bis zu drei Meter tief reichen und ganze Röhrensysteme von bis zu 45 bis 50 Meter Länge bilden können. Gegraben wird bevorzugt in sandigen, lockeren Böden an geschützten Stellen: an Waldrändern, in Parks, auf Friedhöfen, an aufgeschütteten Erdwällen. Innerhalb der Kolonie herrscht eine Rangordnung mit einem dominanten „Platzrammler", und das ganze Territorium wird gemeinsam verteidigt. Bei Gefahr flüchtet alles ins Bauinnere — die Tiere entfernen sich nie weit vom rettenden Loch.
Der Feldhase dagegen ist ein standorttreuer Einzelgänger, der keine Baue gräbt. Sein Ruhelager ist die Sasse: eine flache, ausgescharrte Erdmulde, meist auf freiem Feld, häufig zwischen Ackerfurchen. Er wählt sie so, dass er die ganze Umgebung überblicken kann, drückt sich bei Gefahr flach hinein und vertraut zunächst seiner Tarnung, bevor er im letzten Moment davonprescht. Eine hübsche Feinheit, die zeigt, wie sehr der Hase auf Tarnung setzt: Er hat an den Pfoten keine Duftdrüsen und springt mit einem großen Satz in seine Sasse, um keine durchgehende Duftspur zu hinterlassen, der ein Beutegreifer folgen könnte.
Das Kaninchen verschwindet im selbstgegrabenen Bau, der Hase drückt sich in eine offene Mulde — kein Verhaltensunterschied trennt die beiden klarer.
Für die Beobachtung heißt das: Siehst du mehrere Langohren beisammen an einem festen Ort mit sichtbaren Erdlöchern, hast du mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Kaninchenkolonie. Ein einzelnes Tier, das sich auf offenem Acker oder Wiese scheinbar aus dem Nichts erhebt, ist fast sicher ein Feldhase.

Der Nachwuchs: Nestflüchter gegen Nesthocker
Falls du im Frühjahr oder Sommer einmal ein Jungtier findest, liefert dessen Zustand das vielleicht eindeutigste Bestimmungsmerkmal von allen — und zugleich eine wichtige Regel für den Tierschutz.
Junge Feldhasen sind Nestflüchter. Sie kommen nach einer Tragzeit von rund 42 bis 43 Tagen bereits vollständig behaart und mit offenen Augen zur Welt, mit einem Gewicht von 100 bis 150 Gramm, und sind der rauen Umwelt von Anfang an gewachsen. Die Häsin setzt sie offen in die Deckung und lässt sie dann weitgehend allein — sie kommt oft nur zweimal am Tag vorbei, um sie mit einer außergewöhnlich fett- und gehaltvollen Milch zu säugen. Genau deshalb wirken so viele Junghasen „verlassen", obwohl sie es nicht sind. Ein allein in der Wiese kauernder, aber quicklebendiger, vollbehaarter kleiner Hase braucht in aller Regel keine Hilfe — die Mutter ist in der Nähe.
Junge Wildkaninchen sind das genaue Gegenteil: Nesthocker. Nach einer kürzeren Tragzeit von rund 28 bis 31 Tagen (vier bis fünf Wochen) werden sie nackt, blind und taub geboren, mit nur 40 bis 50 Gramm. Die Mutter legt dafür eine eigene, vom Hauptbau abgesetzte Setzröhre an, deren Eingang sie verschließt; erst nach etwa zehn Tagen öffnen die Jungen die Augen und verlassen die Kinderstube frühestens nach drei bis vier Wochen. Ein nacktes, hilfloses Kaninchenbaby außerhalb des Baus ist dagegen ein echter Notfall — es wurde höchstwahrscheinlich von einem Fuchs oder Hund ausgegraben und braucht Hilfe.
Die Zahl der Jungen unterscheidet sich ebenfalls deutlich, und hier zeigt sich, warum das Kaninchen sprichwörtlich für Fruchtbarkeit steht. Der Feldhase bringt 3- bis 4-mal im Jahr je 1 bis 3 (selten bis 6) Junge zur Welt. Das Wildkaninchen schafft bei 4 bis 6 Würfen im Jahr insgesamt bis zu 30 Junge und ist schon mit rund vier Monaten geschlechtsreif.
Die Rammelzeit: wenn Hasen boxen — und die beste Beobachtungszeit
Es gibt eine Zeit im Jahr, in der ausgerechnet der sonst so heimliche Feldhase leicht und sogar am Tag zu beobachten ist: die Rammelzeit im Spätwinter und Frühjahr. Während der Hase den Rest des Jahres dämmerungs- und nachtaktiv als Einzelgänger lebt, sammeln sich zur Paarungszeit von etwa Januar bis März — mit Ausläufern bis in den Sommer — mehrere Tiere an sogenannten Rammelplätzen und sind dann auch tagsüber gut zu sehen.
Und was sich dort abspielt, ist alles andere als romantisch. Der Jagd- und Forstexperte Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung beschreibt es so: „Das Besondere in der Paarungszeit der Feldhasen ist, dass die Rammler der Häsin erst im Nahkampf Kraft und Stärke beweisen müssen." Auf das ruppige Werben folgt „eine wilde Verfolgungsjagd, die immer wieder von kurzen Boxkämpfen unterbrochen wird". Die berühmten „boxenden Hasen" sind dabei oft gar nicht zwei rivalisierende Männchen, sondern eine Häsin, die einen noch zu aufdringlichen Rammler abwehrt — sie sucht sich am Ende die fittesten Partner selbst aus. Und es bleibt nicht bei einem: Innerhalb kurzer Zeit paart sich die Häsin mehrmals, sodass die Jungen eines einzigen Wurfs verschiedene Väter haben können.
Für dich als Beobachter ist das die goldene Gelegenheit. Wer im Februar und März früh morgens oder in der Dämmerung eine offene Feldflur im Blick hat — mit dem Fernglas oder mit einer fest installierten Wildkamera —, hat die beste Chance des Jahres, mehrere Feldhasen gleichzeitig, aktiv und bei ihren Verfolgungsjagden zu erwischen. Zu keiner anderen Zeit ist das sonst so zurückgezogene Tier so sichtbar.
Superfötation: der Fortpflanzungstrick des Hasen
Der Feldhase hat noch ein biologisches Ass im Ärmel, das dem Kaninchen fehlt und das schon Aristoteles staunen ließ: die Superfötation — vereinfacht gesagt, „schwanger werden, während man schon schwanger ist".
Lange war das nur eine gut belegte Beobachtung: Bei Feldhäsinnen war das Intervall zwischen zwei Geburten immer wieder auffällig kurz. Erst Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) klärten den Mechanismus auf und veröffentlichten ihn 2010 in der Fachzeitschrift Nature Communications. Mit hochauflösendem Ultraschall an lebenden, trächtigen Häsinnen zeigten sie: Eine Häsin kann etwa vier Tage vor der Geburt ihres aktuellen Wurfs erneut befruchtet werden. Die neuen Embryonen wachsen noch während der laufenden Trächtigkeit im Eileiter heran und sind zum Zeitpunkt der Geburt bereits vier Tage alt — sie können sich sofort einnisten. „Vaterschaftstests mit verschiedenen Rammlern haben eindeutig gezeigt, dass die Samenzellen sich ihren Weg durch die Gebärmutter bahnen, in der sich noch der vorherige Wurf befindet", erklärte die beteiligte Wissenschaftlerin Dr. Kathleen Röllig.
Der Effekt: Obwohl eine vollständige Trächtigkeit von der Befruchtung bis zur Geburt 42 Tage dauert, verkürzt sich der Abstand zwischen zwei Geburten auf nur 38 Tage. Über eine ganze Fortpflanzungssaison hinweg kann eine Häsin so bis zu ein Drittel mehr Nachwuchs großziehen — eine evolutionäre Anpassung, die den ohnehin schwer bedrängten Bestand ein Stück weit abpuffert. Das Wildkaninchen setzt dagegen ganz auf schiere Wurfzahl und frühe Geschlechtsreife, nicht auf diesen Trick.
Der Feldhase kann trächtig werden, während er noch trächtig ist — ein Trick, der ihm bis zu einem Drittel mehr Nachwuchs bringt.
Feldhase oder Wildkaninchen: die Merkmale auf einen Blick

Die folgende Tabelle fasst die verlässlichsten Unterscheidungsmerkmale zusammen. Für die schnelle Bestimmung im Feld gilt: Je weiter oben ein Merkmal steht, desto sicherer trägt es.
| Merkmal | Feldhase (Lepus europaeus) | Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) |
|---|---|---|
| Gewicht | ca. 3–5 kg (bis 6 kg) | 1,3–2,5 kg |
| Körperlänge | 50–70 cm, langgestreckt, hochbeinig | 35–45 cm, gedrungen, rundlich |
| Löffel (Ohren) | 8,5–13 cm, länger als der Kopf, schwarze Spitzen | 6–8 cm, kürzer als der Kopf, einfarbig |
| Augen | gelb-bernsteinfarbene Iris | dunkelbraun |
| Fell | erdbraun bis rötlich-braun, Bauch weiß | graubraun, Bauch weiß |
| Hinterläufe / Gang | sehr lang; Sprinter, Haken schlagend, bis 80 km/h | kurz; wendig, trommelt bei Gefahr |
| Hinterfußspur | ca. 6 × 3,5 cm | ca. 4 × 2,5 cm |
| Sozialverhalten | Einzelgänger, standorttreu | gesellig, in Kolonien |
| Unterschlupf | Sasse (offene Erdmulde), gräbt nicht | selbstgegrabener Bau (bis 3 m tief) |
| Nachwuchs | Nestflüchter: behaart, sehend, 100–150 g | Nesthocker: nackt, blind, 40–50 g |
| Tragzeit / Würfe | 42–43 Tage; 3–4 Würfe, je 1–3 Junge | 28–31 Tage; 4–6 Würfe, bis 30 Junge/Jahr |
Werte nach den DACH-Steckbriefen und der LAZBW-Vergleichsbroschüre. Einzelne Gewichts- und Größenangaben schwanken zwischen den Quellen; die genannten Spannen decken den ausgewachsenen Regelfall ab.
Die beiden nachts auf der Wildkamera auseinanderhalten
Auf einer nächtlichen Wildkamera-Aufnahme fällt genau das weg, worauf man tagsüber am liebsten achtet: die Farbe. Im Infrarot-Schwarzweiß siehst du keine bernsteinfarbenen Augen und keinen braunen Fellton. Was bleibt, sind Silhouette, Größe, Ohrenlänge, Gangart und Verhalten — und die reichen zum Glück meistens aus.
Beide Arten sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, du wirst sie also ähnlich häufig im Dunkeln erwischen. Der Feldhase ist zusätzlich tagsüber aktiver, besonders im Frühjahr zur Rammelzeit — Tagaufnahmen sprechen daher eher für den Hasen. So gehst du die Bilder durch:
- Größe im Bildausschnitt. Ein großes, langgestrecktes, hochbeiniges Tier ist der Hase; eine kleine, rundlich-kompakte Gestalt das Kaninchen. Steht Vegetation bekannter Höhe daneben, hast du einen Maßstab.
- Ohrenlänge und -spitze. Auch in Graustufen erkennst du, ob die Löffel länger als der Kopf sind (Hase) oder kürzer und gedrungener (Kaninchen). Die schwarzen Ohrspitzen des Hasen heben sich im IR-Bild oft als dunkler Fleck ab.
- Einzeln oder in der Gruppe. Mehrere Tiere zusammen im selben Bild, immer wieder am selben Fleck? Das spricht stark für eine Kaninchenkolonie. Ein einzelnes Tier auf offener Fläche eher für den Hasen.
- Standort. Steht deine Kamera an einem Erdbau, Wall oder Waldrand mit sichtbaren Löchern, ist das Kaninchen-Terrain. Steht sie mitten am offenen Acker oder Wiesenrand, ist der Hase wahrscheinlicher.
Dass sich diese Bestimmungsarbeit lohnt, zeigt eine schöne Beobachtung aus Berlin: Als das Leibniz-IZW und der NABU 2021 die Bevölkerung baten, Hasen- und Kaninchensichtungen zu melden, zeigte sich ein klares Muster — im Ostteil der Stadt lebten deutlich mehr Feldhasen, im Westteil mehr Kaninchen. Selbst innerhalb einer einzigen Stadt können die beiden Arten also unterschiedliche Ecken besiedeln. Welche von beiden deine Kamera zu sehen bekommt, hängt stark davon ab, wo genau sie hängt.
Bestand, Rote Liste und Krankheiten: warum die Langohren seltener werden
Wer die beiden beobachtet, sollte wissen, wie es um sie steht — denn beide gelten als bedrängt. Der Feldhase ist bundesweit auf der Roten Liste als „gefährdet" (Kategorie 3) eingestuft, mit negativem Entwicklungstrend. Das Wildkaninchen steht auf der Vorwarnliste. Das Leibniz-IZW fasst beide zusammen: „Der Feldhase ist in Deutschland als gefährdet eingestuft und auch Kaninchen befinden sich auf der Vorwarnliste".
Die Hauptursache ist bei beiden dieselbe: die Intensivierung der Landwirtschaft. Aufgeräumte, ausgeräumte Agrarlandschaften ohne Hecken, Ackerrandstreifen und Brachen nehmen den Tieren Nahrung und Deckung zugleich. Eine Metaanalyse von 77 Studien aus zwölf europäischen Ländern kommt zum selben Schluss: Der Hauptgrund für den Hasenrückgang ist die landwirtschaftliche Intensivierung. Besonders die Junghasen leiden — Untersuchungen beziffern ihre Sterblichkeit bis zur herbstlichen Jagdzeit auf erschreckende 68 bis über 80 Prozent, wesentlich getrieben durch nährstoffärmere Vegetation, die die Milchqualität der Häsin verschlechtert. Wo dagegen genug Brachflächen vorhanden sind, steigt die Überlebensrate messbar. Der Feldhase ist damit ein Indikator für strukturreiche, extensiv genutzte Feldflur: Geht es ihm gut, geht es der ganzen Agrarlandschaft gut.
Trotz dieses düsteren Langzeittrends gibt es zuletzt einen Lichtblick. Die bundesweiten Frühjahrszählungen, für die Jägerinnen und Jäger nachts auf festen Strecken die im Scheinwerferlicht reflektierenden Augen zählen, ergaben im Frühjahr 2025 einen Wert von 19 Feldhasen pro Quadratkilometer Feld und Wiese — das dritte Rekordjahr in Folge und rund ein Viertel mehr als zwei Jahrzehnte zuvor. Regional lag der Wert im Nordwestdeutschen Tiefland mit 30 Tieren pro Quadratkilometer am höchsten. Der Bestand gilt aktuell als stabil, örtlich sogar zunehmend — ein vorsichtig ermutigendes Signal, das den Handlungsbedarf beim Lebensraum aber nicht aufhebt.
Ein Wort noch zu Krankheiten, weil sie gerade aktuell die Karten neu mischen. Klassisch ist die Myxomatose eine Kaninchenkrankheit: ein durch stechende Insekten und den Kaninchenfloh übertragenes Pockenvirus, das zu geschwollenen Lidern und dem typischen „Löwenkopf" führt und meist tödlich endet — das Wildkaninchen bildet, wie der Deutsche Jagdverband schreibt, „ein natürliches Reservoir für diesen Erreger". Beim Kaninchen liegt die Sterblichkeit bei 40 bis 60 Prozent, die zusätzlich grassierende Chinaseuche (RHD) wirkt mit nahezu 100 Prozent noch verheerender. Neu ist aber: Seit 2023 wurde die Myxomatose erstmals auch bei Feldhasen in Deutschland nachgewiesen, zuerst in Nordrhein-Westfalen, inzwischen auch in Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Welche Folgen das langfristig hat, ist laut DJV (Stand März 2026) noch nicht abzusehen; bundesweit zeigen die Zählungen bisher keinen negativen Effekt auf den Hasenbesatz, in schwer betroffenen Regionen erholen sich die Bestände aber noch nicht.

Jagdzeit und Schutz: was in DACH gilt
Beide Arten unterliegen dem Jagdrecht, aber die konkreten Zeiten unterscheiden sich — und weil in Deutschland jedes Bundesland seine eigene Jagdzeitenverordnung hat, gibt es hier keine einheitliche bundesweite Antwort. Verlass dich also nie auf ein einzelnes Datum, sondern prüfe die Regelung deines Bundeslandes.
Als Orientierung: Für den Feldhasen nennt der NABU die bundesrechtliche Jagdzeit vom 1. Oktober bis 15. Januar, während in Nordrhein-Westfalen und in Bayern vom 16. Oktober bis 31. Dezember gejagt werden darf. Das Wildkaninchen darf bundesrechtlich grundsätzlich ganzjährig bejagt werden — mit der Einschränkung, dass die für die Aufzucht nötigen Elterntiere zu schonen sind; in NRW gilt für erwachsene Tiere eine Jagdzeit vom 16. Oktober bis 28. Februar, in Bayern ganzjährig. In der Schweiz ist der Feldhase ebenfalls jagdbar; im Kanton Solothurn etwa von Oktober bis Dezember, wobei einzelne Reviere freiwillig ganz auf die Hasenjagd verzichten.
Bemerkenswert ist die Haltung der Naturschutzseite dazu: Der NABU hält es „aus Sicht des Naturschutzes [für] völlig unverständlich, wenn Rote-Liste-Arten ins Jagdrecht aufgenommen werden [...] und sogar eine Jagdzeit erhalten", und fordert für den gefährdeten Feldhasen eine ganzjährige Schonzeit, bis sich die Bestände erholt haben. In vielen Revieren wird ohnehin freiwillig auf die Hasenjagd verzichtet. Für dich als Beobachter ändert die Rechtslage nichts — aber sie erklärt, warum um diese beiden sympathischen Langohren so viel Schutzdebatte kreist.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheide ich Feldhase und Wildkaninchen am schnellsten?
An Größe und Ohren. Der Feldhase ist deutlich größer (3–5 kg, langgestreckt) mit Löffeln von 8,5–13 cm, die länger als der Kopf sind und schwarze Spitzen tragen; das Wildkaninchen ist klein und rundlich (1,3–2,5 kg) mit einfarbigen Ohren von nur 6–8 cm. Kommt Verhalten dazu: Kaninchen leben gesellig in unterirdischen Bauen, Hasen einzeln in offenen Mulden.
Ist der Osterhase ein Hase oder ein Kaninchen?
Bildlich fast immer ein Kaninchen. Die meisten Osterhasen-Darstellungen und Schokoladenfiguren zeigen das kleinere, rundlichere und „niedlichere" Wildkaninchen, nicht den langbeinigen Feldhasen. Als Symbol der Fruchtbarkeit ist historisch aber der Feldhase gemeint — das fruchtbarste heimische Säugetier.
Können sich Feldhase und Wildkaninchen kreuzen?
Nein. Trotz ihrer Ähnlichkeit sind es zwei verschiedene Gattungen mit unterschiedlicher Chromosomenzahl; Kreuzungen zwischen Feldhase und Wildkaninchen gibt es deshalb nicht.
Ich habe ein junges Langohr allein im Feld gefunden — braucht es Hilfe?
Das hängt von der Art ab. Ein junger Feldhase ist ein Nestflüchter: vollbehaart, mit offenen Augen, oft scheinbar allein — die Mutter kommt nur zweimal täglich zum Säugen, und das Tier braucht in aller Regel keine Hilfe. Ein nacktes, blindes Junges dagegen ist ein Kaninchen-Nesthocker, das außerhalb des Baus einen echten Notfall darstellt und Hilfe braucht.
Wann kann ich Feldhasen am besten beobachten?
Im Spätwinter und Frühjahr zur Rammelzeit, etwa Januar bis März. Dann sammeln sich mehrere Tiere an Rammelplätzen, liefern sich Verfolgungsjagden und Boxkämpfe und sind ausnahmsweise auch tagsüber gut zu sehen. Den Rest des Jahres ist der Hase überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv.
Stimmt es, dass Hasen doppelt schwanger werden können?
Ja, das ist die sogenannte Superfötation. Eine Feldhäsin kann rund vier Tage vor der Geburt ihres aktuellen Wurfs erneut befruchtet werden; das belegten Forscher des Leibniz-IZW 2010 mit Ultraschall an lebenden Tieren. Dadurch verkürzt sich der Geburtenabstand auf 38 Tage und die Häsin bringt bis zu ein Drittel mehr Junge zur Welt.